Franziska Ambacher

Franziska Ambacher

changeify
Inhaberin


"Leben ist das, was passiert, während du gerade dabei bist, andere Pläne zu machen." John Lennon (1940-1980)

Der Titel mag täuschen, klingt er doch zunächst ein wenig nach Esoterik. Franziska Ambacher geht es jedoch nicht um weltanschauliche Bewegungen. Vielmehr möchte sie aufzeigen, wie wir alle „handfeste“ Veränderungsprozesse in unserem Leben als verborgene Chance für uns nutzen können. Bereits am Telefon merkt mann, dass Franziska Ambacher selbst erlebt hat, wovon sie spricht. Mit familiären Wurzeln am Starnberger See, arbeitet sie heute von ihrem Büro in München aus. Was sie tut, nennt sie selbst „Change Coaching“. Was sich dahinter verbirgt? Ein Inspirationsfeuerwerk für persönliches (und unternehmerisches) Wachstum. Aussichten, die neugierig machen. Was dabei ungemein hilft: Ein Blick zurück - in die eigene Biografie.

Frau Ambacher, es gibt immer eine „Story“ zur Unternehmensgründung. Erzählen Sie doch bitte Ihre Geschichte.

Franziska Ambacher:

An einem grauen Novembermorgen 2009, kurz nach meinem 40. Geburtstag, ist genau das passiert, was sich wohl niemand, inklusive mir, freiwillig wünscht: mir wurde gekündigt – von jetzt auf gleich freigestellt und völlig ahnungslos, ob und wie die Karriere weiter verläuft.

Ich gehörte damals mit hunderten anderer Mitarbeiter eines Global Players in München zur sogenannten Insolvenzmasse. Dieses war mein einschneidendstes berufliches Hallo-Wach-Erlebnis; ein Schock, der mich endlich dazu bewog, das zu tun, was mir am meisten entspricht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ich am eigenen Leib erfahren habe, wie orientierungslos man in solch einer beruflichen Krise sein kann. Das Konzept zu meinem Unternehmen changeify hatte ich an meinem damaligen Tiefpunkt bereits aus der eigenen Erfahrung heraus entwickelt, mein Unternehmen aber erst im Sommer 2015 offiziell gegründet.

Es liegt mir sehr am Herzen, Menschen bei ihrem beruflichen Change zu inspirieren und zu beraten, damit sie ebenfalls mutig, selbstbewusst und entschlossen ihren Weg gehen.

Ihre Vita zeigt, dass Sie in den unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet und gewirkt haben. Welche Jahre haben Sie am meisten geprägt und beeinflussen Sie noch heute bei Ihrer Arbeit als Coach und Beraterin?

Franziska Ambacher:

Nach meiner betriebsbedingten Kündigung entschloss ich mich, in eine Münchner Unternehmensberatung einzutreten. Dort wurde ich von den beiden Geschäftsführern als Coach und Beraterin entdeckt und gezielt aufgebaut. Nach über 20 Jahren in Festanstellung in den unterschiedlichsten Branchen und Positionen erlebte ich hier zum ersten Mal, wie es sich anfühlt, wenn Vorgesetzte sich für ihre Mitarbeiter einsetzen, ihnen individuell gerecht werden und Führung im Wortsinne verstehen: visionäre Leader vertrauen Menschen und machen sie groß.

Diese wohltuende Erfahrung prägt nach wie vor meine heutige Arbeit, mit der ich das Potenzial meiner Kunden zum Strahlen bringe. Ich habe diese Haltung so verinnerlicht, dass ich gleich in der Gründungsphase den Auftrag eines CEOs ablehnte, weil dieser von mir verlangte, dass ich eine seiner Führungskräfte „auf Reiseflughöhe runtercoachen“ sollte. Obwohl ich damals den Auftrag dringend gebraucht hätte, bin ich sehr froh, seinem Anliegen nie entsprochen zu haben und meiner Philosophie treu geblieben zu sein. Selbst bei schwierigen Entscheidungen hilft mir eine klare Haltung dabei, meine Werte nicht für die Interessen anderer zu verkaufen.

Gibt es Ihrer Meinung nach kulturelle Unterschiede bezüglich der Betrachtungsweise von Veränderungsprozessen? Und wie lassen sich diese erklären?

Franziska Ambacher:

Bedingt durch den kulturellen Einfluss des Herkunftsmilieus auf die Persönlichkeit, besteht ein großer Zusammenhang zwischen Sozialisation, Wertesystem und Erfolg. Hier geht es vor allem um unser Selbstvertrauen: „Werde ich gelebt oder nehme ich das Leben selbst in die Hand?“. Veränderungsprozesse – persönlich wie geschäftlich – gelingen nur, wenn bestimmte Werte in uns reif sind für den Wandel.

Im heutigen Umbruch der Arbeitswelt benötigen wir vor allem Menschen, die eine hohe Veränderungsbereitschaft mitbringen. Wer nur seine Karriere und sein Fachwissen weiterentwickelt, wird nicht die innere Reife für Veränderungsprozesse mitbringen, da ihm die dabei so nötige Sozialkompetenz, also Werteentwicklung fehlt. Beispiele für solche Werte sind Empathie, Transparenz, Offenheit und natürlich Verantwortung. Wie sonst könnte ich Mitarbeitende für meine Vision begeistern oder ein förderliches Mindset vom Angestellten zum Selbständigen entwickeln?

Persönlichkeitscoach und Businesscoach sind Oberbegriffe. Mit welchen Inhalten füllen Sie diese Begriffe? Und was qualifiziert einen Menschen für solch eine verantwortungsvolle Aufgabe?

Franziska Ambacher:

Manche behaupten, dass Kompetenz kein Alter kennt, doch ich sehe das differenzierter. Ein guter Coach und Berater sowie jede Führungskraft benötigt ausreichend Lebens- und Berufserfahrung in unterschiedlichen Branchen und Aufgabengebieten. Im Alter von 30 Jahren wäre ich weder fachlich noch menschlich soweit gewesen. Zusätzlich gelten für mich klare Qualitätskriterien, wie Diskretion, verantwortungsvoller Umgang mit Rollen und Aufträgen sowie regelmäßige Fortbildung.

Ich nenne den Persönlichkeitscoach noch vor dem Businesscoach, weil jeglicher Führungsanspruch für Mitarbeitende und Unternehmen zunächst mit der Selbstführung beginnt. An Skandalen wie Dieselgate oder Schlecker können wir sehr gut ablesen, dass beispielsweise der Zentralwert Verantwortung von den sogenannten Verantwortungsträgern höchstens dann gelebt wird, wenn sie juristisch längst angezählt sind. Zugehörigkeit, Vertrauen und Sinn sind die Wettbewerbstreiber und daher muss es im Interesse jedes Unternehmers und Topmanagers liegen, ethisches Wirtschaften – beginnend bei der eigenen Führungsexzellenz – wie ein Leuchtturm auszustrahlen.

Sie sind immer „ganz dicht dran“ an Ihren Kunden. Wie gelingt Ihnen dieser Balanceakt zwischen Nähe und Distanz?

Franziska Ambacher:

Aufgrund meiner systemischen Ausbildung, d. h. mit Bezug auf das jeweilige soziale System, und der Tatsache, dass ich auch bei der Arbeit Mensch bin, ist mir bewusst, dass jedes Zuhören, Mitdenken und Mitfühlen mich mit dem Kunden und seiner Situation vernetzt. Wichtig ist, dies bereits im Coaching-Prozess zu reflektieren und sich in der Beratung konsequent an den Zielen des Kunden zu orientieren. Ich stelle Sichtweisen, Möglichkeiten und Inspirationen zur Verfügung; die Entscheidung, was für ihn stimmig und nützlich ist und er umsetzen möchte, liegt letztendlich allein beim Kunden.

Bitte schildern Sie doch Veränderungen, bei denen es Sinn machen kann, dass Sie diese professionell begleiten.

Franziska Ambacher:

Vor allem zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr häufen sich die Sinnfragen im Leben. Genau in dieser Phase stecken viele meiner Kunden mitten in Führungspositionen, die sie immer stärker hinterfragen. „Passt das noch zu mir?“ oder „Soll das schon alles gewesen sein?“ sind typische Fragestellungen, mit denen die zukünftige Weichenstellung nach mehr Selbstbestimmung, Freiheit, Kreativität und Sinn verbunden wird.

In der gemeinsamen Arbeit mit meinen Kunden zeigen sich oft tief verwurzelte Motive, die aus unterschiedlichsten Gründen nie weiterverfolgt wurden. Der Ruf nach mehr Zufriedenheit und Lebensqualität wird immer lauter und bedeutet zunächst, in alle Richtungen quer zu denken. Als Umsteiger, Aufsteiger, Visionär und Veränderer gehen die Lebensläufe sehr individuell auseinander: Von der Produkt- und Brandmanagerin zum Solopreneur, vom Vorstand eines Maschinenbauers zum Geschäftsführer eines Social Startups oder vom IT-Spezialisten zum Heilpraktiker. Ob selbständig tätig oder im Angestelltenverhältnis, unsere herausfordernden Zeiten benötigen Menschen, die unternehmerische Werte leben, denn wir alle sind mehr denn je Unternehmer – Unternehmer des Lebens.

Da in unserer Biografie ein ständiger und natürlicher Wandel unserer Lebenslinie zu beobachten ist, zeige ich meinen Kunden, wie sie diesen Wandel konstruktiv bei der Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft für sich nutzen. Dies gilt für Privatpersonen übrigens genauso, wie für Unternehmen. Beide haben eine Biografie, sind sich aber viel zu selten der daraus abzuleitenden hilfreichen Strategien bewusst.

In einem Ihrer Blogartikel lassen Sie kaum ein gutes Haar an vielen „windigen Motivationsgurus“. Diese schaffen es immer wieder, auf dem Rücken vieler „Sinnsucher“ unethisches Geld zu verdienen. Richtet sich Ihr Groll da auch in gewisser Hinsicht gegen die eigene Branche?

Franziska Ambacher:

Unbedingt. Motivation lässt sich schließlich nicht einfach überstülpen, da sie nur aus uns selbst heraus kommen kann. Wenn Fake-News in unserer Welt zum Alltagsgeschäft werden, benötigen Coachs und Berater ein sehr hohes Maß an Verantwortung, Transparenz und Glaubwürdigkeit. Durch deren Unterstützung gelingt Hilfe zur Selbsthilfe und wirkt deshalb langfristig. Jene von mir als „windige Motivationsgurus“ bezeichneten Blender, Aufschneider und Möchtegern-Experten besitzen nicht nur keine Fachexpertise, sondern vor allem nicht das nötige Wertegerüst, um Menschen ethisch-moralisch, das heißt verantwortungsbewusst und respektvoll durch teilweise schwierige Gewässer zu leiten.

Bei ihnen geht es nur um eine möglichst schnelle und kurzlebige Selbstvermarktung, nie aber um den Menschen mit seinen Nöten und Sorgen. Manche Kunden sitzen bei mir in der Beratung, nachdem sie vorher einem solchen Bluff aufgesessen sind. Langsam dämmert es ihnen, dass sie ihr Geld und ihre Perspektiven los sind, sie nicht von der Stelle gekommen sind und die vielbeschworene wundersame Wirkung ausgeblieben ist. So viel Verantwortungslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Kunden machen mich sehr wütend.

Fokussierter, dynamischer und erfolgreicher bei der Zielerreichung werden nur jene, die sich aktiv mit der eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen und kluge Strategien entwickeln, wie sie ihr angepeiltes Ziel am sinnvollsten und erfolgversprechendsten umsetzen. Abkürzungen dabei gibt es nicht, deshalb baue ich die Etappen des Weges meiner Kunden logisch aufeinander auf.

„Wer nur hofft, der bringt nichts in Bewegung.“ Und ohne diese gibt es keine Veränderung. Was ist also darüber hinaus notwendig und in welchen Schritten?

Franziska Ambacher:

Viel zu oft klammert man sich alleinig an die Hoffnung und wartet wie gelähmt auf bessere Zeiten. Wer sein Leben jedoch nicht selbst in die Hand nimmt, wird keine gewünschte Veränderung erleben. Ich empfehle noch vor jeder konkreten Handlung einen sogenannten „Veränderungscheck“ vorzunehmen. Dieser ist sowohl auf große Systeme (Unternehmen), Gruppen (Teams, Abteilungen) als auch Einzelpersonen anwendbar.

Sinn und Zweck ist es, eine Überprüfung des bisherigen Ziels zu ermöglichen. 1. Was passiert, wenn sich etwas ändert? 2. Was passiert, wenn sich nichts ändert? 3. Was passiert nicht, wenn sich etwas ändert? 4. Was passiert nicht, wenn sich nichts ändert? Auf diese Weise lässt sich das Veränderungsvorhaben von allen Seiten betrachten.

Häufig ändert sich bei diesen Überlegungen das ursprüngliche Ziel nochmals und man spart dadurch viel Zeit und Energie, weil man nicht auf das falsche Pferd setzt. Aus diesem Erkenntnisgewinn entsteht Motivation und Zufriedenheit.

Sie betonen gerne, wie wichtig für Sie die Biografiearbeit ist. Sogar ein eigenes Webinar bieten Sie zu diesem Thema an. Was genau ist unter Biografiearbeit zu verstehen und weshalb kommt dieser Arbeit so viel Bedeutung zu?

Franziska Ambacher:

Viele Menschen treffen ihre beruflichen Entscheidungen häufig gar nicht selbst, sondern lassen sich von Kindesbeinen an ihren Weg diktieren. Eltern beispielsweise nehmen naturgemäß häufig (bewusst oder unbewusst) großen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder, weil zum Beispiel für die eigene Anwaltskanzlei ein Nachfolger benötigt wird. Deshalb studiert der Sohn Jura oder die Tochter macht eine Ausbildung zur Bankkauffrau, weil sie dann „was Sicheres“ in der Tasche hat. Nur zu dumm, dass diese gut gemeinten Ratschläge häufig an der Persönlichkeit des Kindes völlig vorbei gehen und viele Jahr später zu einer Sinnkrise führen.

Mithilfe der Biografiearbeit lassen sich solch eingefahrene Muster erkennen, berufliche Krisen lösen und passfähige Karrierewege planen. Bei dieser Kreativmethode gehe ich gemeinsam mit meinen Kunden auf Spurensuche, in dem das eigene Leben zeichnerisch dargestellt wird und sich auf einen Blick die größeren Zusammenhänge erkennen lassen. Dabei finden sich zusätzlich die eigenen Werte, Stärken und Ressourcen als auch ganz individuelle Erfolgsmuster.

Auf diese Weise wird klar, was die eigene Persönlichkeit ausmacht. Schließlich geht es darum, erfolgreich eigene Spuren zu hinterlassen und nicht in den Fußstapfen anderer unglücklich verharren zu müssen.

Welches sind für Sie gegenwärtig die größten Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Ihren Kunden? Und natürlich: Wie planen Sie selbst die Gestaltung Ihrer beruflichen Veränderungen für die nächste Zeit?

Franziska Ambacher:

Zu Beginn einer Zusammenarbeit mit meinen Kunden geht es zunächst um deren eigenes Wertegerüst. „Wer bin ich?“ gehört zu den zentralen Fragen bei einer beruflichen Neuorientierung, genauso wie bei einer übernommenen Führungsaufgabe oder der Gründung des eigenen Unternehmens. Produkte oder Dienstleistungen sind am Markt vergleichbar, einzigartige Persönlichkeiten aber nicht.

Um sich dieser erfolgsentscheidenden Einzigartigkeit bewusst werden zu können, ist schlicht und einfach Zeit erforderlich. Das führt immer wieder zu Engpässen in meinem Terminkalender. Deshalb bin ich gerade dabei, ein Gruppenkonzept zu entwickeln, um meine Expertise möglichst vielen Menschen zeitgleich zukommen lassen zu können. Durch die Erfahrungen der anderen Gruppenmitglieder ergibt sich darüber hinaus ein weiterer Lerneffekt.

Aufgrund der hohen Nachfrage nach individueller Biografiearbeit denke ich auch darüber nach, eine Ausbildung als Biografiecoach für jene sozialen Berufsgruppen anzubieten, die am Menschen arbeiten. Ich denke hier besonders an Ärzte, Therapeuten, Coachs, Berater, Mediatoren, Sozialarbeiter, Pädagogen, Pflegekräfte. Genauso natürlich aber auch an Führungskräfte aller Hierarchiestufen.

Franziska Ambacher bringt – neben ihrer fachlich qualifizierten Ausbildung als Business-Coach, Change-Beraterin und Mediatorin – über 30 Jahre persönliche und berufliche Veränderungskompetenz mit. In einer Münchner Unternehmensberatung wurde sie als Coach entdeckt und entwickelte daraufhin ein individuelles Werte- und Sinnkonzept. Mit ihrer kompetenten Unterstützung meistern Menschen und Unternehmen in der größten Umbruchphase der Arbeitswelt ihren individuellen und unternehmerischen Wandel. Foto: Irmgard Brand

Veröffentlicht unter: Consulting, Interviews.
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Franziska Ambacher – Wandel liegt in uns selbst begründet:

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